Geschichte des Bierglases


Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Bier aus Steinkrügen getrunken – erst danach wurden Biergläser verwendet. Zu dieser Zeit traten auch die ersten Lagerbiere aus Österreich und Böhmen ihre Siegeszüge an.





 



Ab der Jahrhundertwende (um 1900) wurden Biergläser erstmals auch als Werbeträger verwendet. Bis dahin wurde Bier nicht weit transportiert und nur innerhalb der engsten Umgebung der Brauerei getrunken. Erst als Bier lager-  und somit transportfähig wurde, begannen Brauereien sich auch marketing-technisch von einander zu unterscheiden.

 

 

Zu Beginn gab es vornehmlich dicke, schwere Glaskrüge mit Henkel –teilweise mit Zinndeckel. Meist war auf den Glaskrügen selbst der Name der Brauerei nicht vermerkt sondern nur auf dem Zinndeckel.





Auch wurde begonnen sogenannte Pressgläser industriell zu produzieren, die bereits Namenszug und/oder Herkunftsort des Glases auf der Glasvorderseite zeigten.




Die erste Farbe auf die Biergläser brachte der Jugendstil, der sich ab den 1910er Jahren mit farblichen Schriftzügen und zarten, aufwendigen Darstellungen der Brauereien oder Braustätten ausprägte.  Zu dieser Zeit gab es – eher in Ostösterreich – auch sehr dünne, schlanke und zerbrechliche Glasformen, die in Händen der „besseren“ Stadtbevölkerung wahrscheinlich um einiges vornehmer wirkten. 





In Böhmen und Mähren wurden die Motive mit dicken bunten Emailfarben aufgetragen. Bis ca. 1918 waren diese Gebiete teilweise Länder der österreichischen K&K Monarchie und da es in diesen Gebieten hohe Anteile an deutschsprachiger Bevölkerung gab, waren Brauereigläser mit deutschsprachigen Logos versehen. Nach 1945 verschwand die Mehrheit der Brauereien deutsch-sprachigen Ursprungs durch die politischen Veränderungen.

 

 

 

 

 

Merkmal eines Bierglases aus diesen alten Zeiten ist  der händisch geritzte Eichstrich und händisch geritzte Füllangaben. 

 





Der 2.Weltkrieg brachte nicht nur einige Brauereien wirtschaftlich ins Wanken, auch bezüglich Bierglas-entwicklung tat sich verständlicherweise nicht viel. Einige Brauereien hatten aus politischen Gründen keine Überlebenschance.





Meist war es in den Wirtshäusern bis in die späten 1950er Jahre eher üblich aus normalen Standard Biergläsern ohne Aufschrift zu trinken.

 

 




Die 1960er Jahre brachten einen Trend, dem sich bierglas-technisch keine Brauerei entziehen konnte – den sogenannte Willibecher. Es ist das Synonym für das deutsche Standardglas. Charakteristisch ist seine Form, die von schmal unten– zur Mitte etwas dickbäuchiger, und oben wieder zu einer Öffnung mit einem kleineren Durchmesser zusammenläuft. Meist gab es den Willibecher in Österreich in den Größen 0,3 L und 0,5 L.  Seinen Namen verdankt er übrigens seinem Erfinder Willy Steinmeier, damals Vertriebsleiter bei der Glaswerke Ruhrglas AG in Deutschland

 

 

 

... auch aus den 1960ern und 70ern von einem Kindertisch nicht wegzudenken war der - mittlerweile verbotene - Bierwärmer ...

Ab den 1970er Jahren wird es vielfältiger, bunter und sammlungstechnisch unüberschaubarer. Jede Brauerei hat mehrere Glasformen auf dem Markt und auch das Logo auf den Gläsern wechselt häufig. Das Sammeln all dieser verschiedenen Gläser brachte und bringt so manchen Sammler an die Grenzen seiner räumlichen Gegebenheiten.


 

Dies ist auch der Grund warum ich meine Sammelleidenschaft primär auf alte Biergläser beschränke, die bis 1950/1960 produziert wurden.